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Ali, Harald und ich.

Harald und ich treffen uns heute abend, 23. Januar 2012, 19 Uhr, in der Kleinen Traube in Esslingen. Korrektur: Wir wollten uns treffen... Jetzt treffen wir uns am Donnerstag, 26. Januar.

Ali ist 70 geworden. So steht’s in den Zeitungen. Ali alias Cassius Clay - oder umgekeht. Ich erinnere mich an Ali. Denn ich habe ihm die Hand geschüttelt – damals in Frankfurt. Ich war Volontär bei der Esslinger Zeitung. Ich war ein besonderer Volontär - warum auch immer. So hatte ich, z. B., eine Sekretärin, die der Chefredakteur und Herausgeber und Verleger - in Personalunion - gelegentlich bei mir anforderte... Anfordern musste. OWB, so hieß der Chefredakteur, Herausgeber und Verleger, mußte Protokolle für den Rotary Club, dem er damals vorstand, schreiben – zu viel an Arbeit für seine eigene Sekretärin. So streckte er gelegentlich die Hand nach „meiner“ Sekretärin aus… Aber ich hatte von Manfred Adelmann, meinem Vorgänger auf dem Posten des „Kreisredakteurs“ bei der Esslinger Zeitung, Schauspieler, EZ-Redakteur, Südfunk-Unterhaltungschef (in dieser Reihenfolge), gelernt, gelegentlich die Anfrage abzulehnen. Die Sekretärin hatte ich von Manfred Adelmann übernommen. Die war dem Landkreis-Ressort zugeordnet. Willi, sagte Adelmann, wenn Du dem Verleger öfters nachgibst, bist Du die Sekretärin los. Denn dann nimmt er an, sie sei bei Dir und im Ressort nicht ausgelastet. Ich gab meistens nicht nach, und so war ich gewiß einer der privilegiertesten Volontäre, die’s je bei der EZ gab. Denn ich war zugleich - kraft Amtes, nicht aufgrund der Hierarchie und der Erfahrung, aber aufgrund meines Könnens (so sehe ich das!) – praktizierender Chef für die Kreisredaktion. Mir vorgesetzt war der Chef der Wirtschaftsredaktion, Lothar Englmann, der mir weitgehend - freie Hand ließ. Prima. So läßt sich’s als junger Kerl im Journalismus schaffen. Den Chef der Lokalredaktion, der – eigentlich – auch mir und Lothar Englmann – in dessen Funktion als „Kreis“-Chef – vorgesetzt war, vor die Nase gesetzt war, will ich namentlich nicht benennen. Der damalige Chef vom Dienst, ein Journalist vom Blute her, Gilbert von Monbart, nannte den Lokalchef – zurecht – „unseren Redaktionsamtmann. Gift für mich!

Jetzt aber zu Muhammad und Cassius.

Ich vertrat gelegentlich den größten aller Sportredakteure, den die Welt je gesehen hatte: Wolfgang Fussan. Fussan war Alleinredakteur, hauste und arbeitete in einem kleinen Büro neben dem meinigen. Fussan hatte mehrere Ticks, lustige und nicht so lustige. Einmal hatte er per Esslinger Zeitung zu einem Sektempfang bei einem Herrn Kenner (Sportfunktionär im Kreis Esslingen) auf den 31. Dezember eingeladen – viele kamen. Nur: der Herr Kenner wusste nichts davon - bis er’s dann auch in der Zeitung las oder lesen mußte. Gab man Fussan die Hand, wusch er sich die Hand sofort danach. Ich schüttelte ihm, so oft es mir gelang, die Hand. (Fussan wurde später, was ich bis heute noch nicht begreife, „Pressesprecher“ des Flughafens Frankfurt). Jahre später wohnte er dann in Köngen und schrieb gelegentlich wirre Leserbriefe an die Esslinger Zeitung. Ich hätte gerne nochmals mit ihm über die Zeit von 65 bis 67 gesprochen - aber Fussan lebt nicht mehr. Sein vermutlich größter Triumph war, Fussan war aus der DDR abgehauen, sich einen Jaguar E-Type, gebraucht, kaufen zu können und dann vor der Esslinger Zeitung in der Zeppelinstraße hupend hin - und herzufahren - und schließlich den Jaguar auf dem reservierten Parkplatz des Verlegers abzustellen. Ich schüttelte ihm dafür die Hand... Waschen!

Und ich durfte, was nichts mit der Vertretung Fussans zu tun hatte, meinen roten Renault R 4 volltanken bei der Esslinger Zeitung, so oft wie ich wollte (so war das damals – und ich musste ja auch oft und viel im Kreis Esslingen umherfahren…). Ich wollte, ich mußte, Fussan war in Urlaub, zu Muhammad Ali in Frankfurt am Main, wo der Größte eine Pressekonferenz anlässlich seines Kampfes mit Karl Mildenberger aus Kaiserlautern gab. Irgendwie kam ich nicht vom Schreibtisch weg – alles schien zu spät. Aber ich wußte: Harald Schönhaar (ein Esslinger Sportidol, schon damals, später trainierte er die deutschen Skidamen und die us-amerikanischen Ski-Herren), ein Schulfreund aus dem Schelztor-Gymnasium, fährt einen Porsche. Und mit diesem Porsche, hoffte ich, werden wir’s noch zu Alis Pressekonferenz in Frankfurt schaffen. So fuhren Harald und ich zur Tankstelle bei der Esslinger Zeitung in der Zeppelinstraße und tankten Haralds Porsche voll. Harald hatte einen voluminösen Zusatztank auf seinem Porsche, hinten auf dem Heck... Dem Herrn Hoffmann, Buchhalter, Pfennigfuchser, Zerberus des Verlegers, heute sagte man Controller oder Geschäftsführer zu dieser Funktion, je nachdem, verschlug es die Sprache, wie er mich wissen ließ, als er später meine Tankabrechnung dieses einen Tages sah. Ich erklärte ihm dann die Story mit Ali in Frankfurt, Haralds Porsche und dem Zusatztank und weshalb die EZ dennoch gut gefahren sei, ich hätte nämlich sonst, wäre ich mit dem R 4 gefahren, in Frankfurt übernachten müssen – und damit wäre die Kreisredaktion teilweise und die Sportredaktion ganz verwaist gewesen… Plus Hotelkosten in Frankfurt.

So war ich, dank Haralds Porsche, nur mal kurz weg.

 Wir fuhren also  - wie die Sau - nach Frankfurt, kamen zur Pressekonferenz dennoch zu spät, erlebten aber Ali noch, wie er Sportschuhe promotete. Harald und ich konnten ihm noch die Hand schütteln. Ich habe auch mal Max Schmeling die Hand geschüttelt. Max Schmeling hat – damals, so zwischen 1965 und 1967, in Reutlingen für Coca Cola Reklame gemacht. Schmeling hatte eindeutig die gewaltigere Pranke!

Die Story geht weiter.

Elisabeth, meine Partnerin, hat eine Arbeitskollegin, die mit ihrer Jugend- und Lebensliebe, dem Baron Lothar von E. zusammenlebte. Als der Besen 66 an der Stuttgarter Weinsteige vor einigen Jahren eröffnet hatte, dort, wo früher Monimaus und Wallybär (oder hieß es Wallybär und Monimaus?) Männer verwöhnten, lupften wir, der Baron Lothar, seine Anneliese, meine Elisabeth und ich, ein paar Viertele. Wir wurden vom Hausherrn in die ehemalige Folterkammer eingeladen und probierten einige gute Weine. Ich erfuhr: Baron Lothar war als Immobilienmakler am Verkauf der Weinsteige-66-Immobilie an die heutigen Besitzer maßgeblich beteiligt.

Nun aber der Bogen zu Muhammad Ali.

Baron Lothar war damals, was ich bis zur Folterkammer-Weinprobe nicht wusste, als Harald und ich, Muhammad Ali in Frankfurt besuchten, der Deutschland-Eventmanager Muhammad Alis gewesen. Lothar lebt, leider, nicht mehr. Er starb vor zwei Jahren.

Lebte er noch, wäre er gewiß heute abend, 23. Januar 2012, 19 Uhr, in der Kleinen Traube in Esslingen mit von der Partie.

Gemeinsam mit Harald und mir. Wir hätten viel zu erzählen gehabt.

Und an Ali und unseren Ausflug nach Frankfurt denken wir und sprechen darüber. Alis legendären Kampf in Afrika gegen Frazier – den hab ich im Träuble gesehen – mitten in der Nacht, damals noch in Emil Fölls Träuble - jetzt ist’s die Kleine Traube.

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